Durch den Pro-Ausbau lässt Comic Sans jetzt Jedermann wie einen professionellen Layouter erscheinen.
Hier wird bewusst mit dem schlechten Image der Comic Sans unter GestalterInnen gespielt und die Kommentare im Netz (zum Beispiel im Blog von Monotype) scheinen sich einig: Bei der Ankündigung handelt es sich um einen gelungenen Aprilscherz. Und gut vorbereitet ist er auch: Die Comic Sans Pro findet sich nicht nur im Webshop von Linotype wieder, sondern auch auf der Webseite von Terrance Weinzierl, der in der Pressemitteilung als Urheber des Ausbaus genannt wird, findet sich ein Eintrag zur Pro-Variante der Comic Sans. Überraschender Weise präsentiert Google just an diesem 1. April die Ergebnisse der Suche nach »Helvetica« in der Comic Sans. Alles scheint perfekt zu passen.

Die vier Schnitte der neuen Comic Sans Pro.
Erst als eine scherzhaft formulierte Interviewanfrage an Linotype mit vier Schriftdateien beantwortet wird, beginne ich zu realisieren, dass die Comic Sans Pro wohl doch realer ist, als es mir zunächst schien. Die Dateien enthalten tatsächlich die angekündigten über 1000 Schriftzeichen, darunter Kapitälchen, Swash-Varianten und Piktogramme. Aber der Reihe nach.

Im direkten Vergleich: Die aufrechte Version der Comic Sans Pro (oben) mit der neuen Italic Version (unten).

Zwei der Buchstabenalternativen der neuen Comic Sans Pro.
Unverändert sind auch die verfügbaren Linienstärken: neben der Regular liegt von der Comic Sans Pro ein Bold-Schnitt vor. Bei den neuen Italic-Schnitten handelt es sich zwar im Wesentlichen um schräggestellte Versionen der Aufrechten, aber immerhin erhält das gemeine »f« eine Unterlänge und das »t« einen geschwungenen Fuß.
In allen Schnitten der Comic Sans Pro ergänzt Weinzierl Mediävalziffern, Kapitälchen und Swash-Varianten. Diese mit zusätzlichen Linienschwüngen versehenen Buchstaben verfügen dabei über eine der normalen Version entsprechende Laufweite. Es kann also ohne Umbruchänderung zwischen beiden Varianten gewechselt werden. Buchstabenalternativen mit einem offenen »a« und einem doppeläugigen »g« und einige Piktogramme im Comicstil runden das Angebot ab.

Die Swash-Variante der neuen Comic Sans Pro.
Fast alle zusätzlichen Glyphen werden über OpenType-Funktionen zur Verfügung gestellt. Was in Adobe InDesign und Quark Xpress ohne Probleme funktioniert, stellt Office vor eine größere Herausforderung. Zwar können in Word einige OpenType-Funktionen angewählt werden, eine wirkliche Unterstützung gibt es aber nicht. So werden zum Beispiel nicht die vorhandenen echten Kapitälchen der Comic Sans Pro genutzt, sondern falsche erzeugt. Ein Schalter für die Swash-Variante existiert erst gar nicht. Immerhin lassen sich die verschiedenen Ziffernsets über die OpenType-Funktionen von Word anwählen. Abhilfe schaffen drei Formatsätze, die die Kapitälchen, die Swash-Variante und die Buchstabenalternativen zur Verfügung stellen und auch in Word ausgewählt werden können. Allerdings lassen sich im Office für Mac 2011 die Kapitälchen nur in Kombination mit den Swash-Versalien aufrufen.

Zwei der neuen Piktogramme.

